Wie kommt man denn auf so was?

 

Bei uns fressen die Katzen Fleisch….

…. Ja, rohes Fleisch. Das war ein langer Weg.

Ich habe seit 30 Jahren Katzen. Bis ich Internet bekam, hielt ich das Futter aus den lila Dosen für das Beste. Besonders Trockenfutter fand ich praktisch. Dann begann ich, mich zu informieren. Es gab Zeiten, da habe ich gewünscht, ich hätte nie damit angefangen!

Die Tipps der „Fachleute“ widersprachen sich an allen Ecken und Enden. Die einen empfahlen teures Trockenfutter, die nächsten schrieen entsetzt auf und fanden, ich solle nur das Futter der Marke XY füttern, woraufhin die dritten sich empörten, eine Katze brauche Abwechslung und ich soll alles durcheinander geben… woraufhin sich leise wieder andere zu Wort meldeten und von Aldi-Futter sprachen. In meinem Kopf drehte sich alles. Alle hatten sie gute Argumente!

Ich hatte zwei Möglichkeiten: Auf  keinen hören und weiter füttern wie bisher, oder mich selbst schlau machen. Ich machte mich schlau. Ich informierte mich, las sogar wissenschaftliche Texte auf englisch! (Das will was heißen), verglich Bedarfswerttabellen, rechnete Mikrogramm in Internationale Einheiten um und bekam den einen oder anderen Nervenzusammenbruch. Ich führte einen regen Mailkontakt mit Katzenfutterherstellern, lernte Phosphor und Phosphat zu unterscheiden (links und rechts kann ich aber immer noch nicht), Ca/P-Verhältnisse zu berechnen und Futteretiketten zu lesen.

Es war eine Odyssee!

Dann suchte ich das beste Futter. Eines, das wirklich die Bedürfnisse der Katze erfüllt. Eines, das keine umstrittenen und möglichst wenig allergieauslösende Stoffe enthält. Eines, das so richtig gesund ist für Katzen, hochwertig und ausgewogen….

Ich suche immer noch….

Es war zum Verzweifeln. Wirklich.

Es gibt Futtersorten, da sind allerlei Pülverchen drin und die enthalten alle wesentlichen Mineralien, Vitamine und Spurenelemente. Toll. Das Futter selbst besteht dann aber dummerweise aus Müll (z.B. gemahlene Rinderhufe, Federn und Krallen, so genannte „Nebenerzeugnisse“) und Getreide. Und dann gibt es Futter, die enthalten nur beste Zutaten, feinstes Fleisch, sehr appetitlich angerichtet, man möchte es sich aufs Brot schmieren…aber leider kaum Vitamine, zuwenig Kalzium, kaum Spurenelemente… dumm gelaufen.

Zwischen diesen Extremen gibt es natürlich viele Graustufen, aber so richtig toll ist kein Futter. Frustriert und entnervt bestellte ich riesige Probepakete von hochwertigem Dosenfutter und startete einen Fressversuch mit unseren armen Fellknödeln. Mal gucken, was sie überhaupt mögen.

Dann las ich das erste mal vom „barfen“. „Biologische, Artgerechte Roh-Fütterung“ oder amerikanisch: „bones and raw food.“ Da gab es tatsächlich Leute, die ihren armen Tieren einfach rohes Fleisch zu fressen gaben! Das kann doch nicht gesund sein?? Da sind doch lauter gefährliche Bazillen dran! Parasiten, Würmer, Krankheiterreger, Viren, Salmonellen!!!

Aber das war noch nicht alles: Man musste noch alle möglichen Zusatzstoffe und Pülverchen ins Fleisch mischen, und das klang alles ungeheuer kompliziert und gefährlich! Was man da alles falsch machen kann!!!

Und außerdem: Wie ekelig! Rohes Fleisch! Wir sind keine Vegetarier, aber rohes Fleisch fanden wir eklig. Sehr eklig. Auf jeden Fall ekliger als Dosenfutter! Aber gutes Dosenfutter hatte ich immer noch keins gefunden. Mist.

Ich las mehr und mehr über das Barfen. Es faszinierte mich. Logisch ist rohes Fleisch der natürlichen Ernährung einer Katze sehr nah. Das leuchtet ein. Ich fand auch heraus, dass die Geschichte mit den Bazillen und Co zwar nicht ganz falsch ist, aber auch längst nicht so gefährlich wie ich angenommen hatte. Schließlich enthält eine frisch gefangene Maus oder gar Stubenfliege mehr davon als ein Stück Fleisch aus dem Supermarkt. Gegen Salmonellen ist eine gesunde Katze relativ unempfindlich. Ein wirklich gefährlicher Virus kann im Schweinefleisch sitzen (Pseudotollwut), deshalb füttert man kein Schweinefleisch.

Blieb das Problem mit den Pülverchen, das so genannte „Supplementieren“ (Oh, ich hab noch mehr Fremdwörter gelernt!). Aber bis zu 20% der Fütterung darf einfach aus rohem Fleisch bestehen, ohne das man sich über diese Pülverchen Gedanken machen muss. (20% bedeutet: 20 -30 gr pro Tag oder 200gr/Woche)

Unter dem Protest meines Mannes, der an der Fleischtheke abseits wartete, weil das da alles so eklig ist, bestellte ich todesmutig drei Hühnerherzen und einen Flügel. Ehrlich! Ich hatte Null Ahnung was das alles für totes Tier in der Auslage war! Ich komme aus der Hot Dog und Grillwürstchen Generation! Wenn ich Fleisch kaufte, dann fertig zubereitet und gewürzt aus der Tiefkühtruhe oder in der Pommesbude! An einer Fleischtheke hatte ich ungefähr noch nie gestanden! Ich schwöre!

Ich bekam mein Tütchen von der Metzgereifachverkäuferin mit ausdrucksloser Mimik ausgehändigt. An dem Tütchen hing ein Preiszettelchen: 23 Cent! Das war unser erster Schritt zum barfen. Leider nur der erste.

Der zweite Schritt war, unseren Katzen klar zu machen, dass man dieses Zeug fressen kann. Sie fanden es ungefähr so eklig wie wir. Schoki war ernsthaft beleidigt und Kenzo versuchte, das Zeug zu verscharren. Ich war soooo enttäuscht! Hatte ich mich doch überwunden, das Zeug zu kaufen und zu servieren! Ich hatte sogar in meiner Verzweiflung ein Hühnerherz klein geschnitten!!! Ohne Handschuhe!!! Boah war das eklig!

Ich konnte es wegwerfen.

Trockenfutter hatten wir mittlerweile komplett verbannt. Man muss nicht viel von Katzenernährung verstehen, um es nicht zu füttern. Zwei Tatsachen reichen: Katzen fressen Fleisch und ihr Futter sollte 70-80% Feuchtigkeit enthalten. Trockenfutter besteht zu ca. 50% aus Getreide (das ist dann aber schon sehr gutes!) und hat 10% Feuchtigkeit.

Die Katzen bekamen ihr verlangtes Dosenfutter, mittlerweile ziemlich teures Zeug, hochwertig, aber nicht ausgewogen. Sie guckten ziemlich triumphierend, als ich das gute Fleisch in den Müll warf. Es sollte nicht das Letzte bleiben.

Ich war frustriert, aber noch lange nicht am Ende. Ich wusste mittlerweile, dass Katzen von Natur aus nichts fressen mögen, was sie nicht kennen. Rohes Fleisch riecht fremd, sieht fremd aus und fühlt sich anders an als Dosenfutter. Also musste ich tricksen. Ha! Und das kann ich! Mein Ehrgeiz war nur angestachelt durch diesen ersten Fehlversuch.

Ganz nebenbei hat sich noch etwas geändert: Unser Ekelgefühl. Mittlerweile finden wir rohes Fleisch wirklich überhaupt nicht mehr eklig! Aber der Geruch von Dosenfutter… puh… und wie das aussieht!!!

Auch die Sache mit den „Pülverchen“ – das „Supplementieren“ haben wir gelernt. Auf der Seite http://www.savannahcats.de/katzenernaehrung erhält man alle nötigen Informationen für den Einstieg. Hier gibt es „Grundrezepte“ an die man sich bedenkenlos zunächst halten kann. Auf Dauer sollte man dann aber doch verstehen, was man warum supplementiert. Zu diesem Zweck empfiehlt sich die Anmeldung bei: www.dubarfst.de

Mittlerweile haben wir zwei weitere Katzen aufgenommen, die beide sofort und vollkommen problemlos rohes Fleisch annahmen und mit Begeisterung fressen. Vielleicht hat es damit zu tun, dass es beide Spanier sind. Jedenfalls scheint es nicht immer so ein Nervenkrieg zu sein, Katzen daran zu gewöhnen.

Wir barfen jetzt seit etwa 12 Monaten. Es war eine folgenschwere Entscheidung: Unsere Katzen sind kerngesund, haben wunderbares Fell, die regelmäßige Kotuntersuchung auf Würmer und Parasiten fällt jedes Mal negativ aus. Selbst der Tierarzt ist erstaunt über die Entwicklung unserer Fellknödel. Etwa einmal pro Monat wird „Futter gemacht“. Neben dem Einkauf beträgt der monatliche Zeitaufwand etwa 2-3 Stunden (Für 4 Katzen).

 

    

                                                   Umstellungstipps

 

Es gibt viele Tricks, wie man Katzen an dieses eklige Fleisch gewöhnen kann. Man kann:

 

  • Es ganz klein schneiden oder gar durch den Wolf drehen und in kleinen Mengen unter das gewohnte Futter mischen. Die Menge langsam steigern, die Stücke immer größer werden lassen… irgendwann fressen sie das rohe Fleisch pur und haben nix bemerkt. Verweigern sie eine Mischung, nur wieder eine Stufe zurückfahren, nicht wieder das Dosenfutter pur geben!
    • Das Fleisch leicht anbraten oder mit kochendem Wasser übergießen (überbrühen), so dass es außen gar ist und innen noch roh. Jedes Mal etwas kürzer garen.
    • Beim Zuschneiden in der Küche „versehentlich“ mal ein Stückchen fallen lassen. Geklautes Fressen schmeckt immer gut.
    • Fleischstückchen werfen, damit sie erjagt werden können. Welcher Jäger verschmäht schon seine Beute?
    • Fleischstückchen mit zerbröseltem Trockenfutter „panieren“ (zu irgendwas muss dieses Trockenfutter ja gut sein) – Das war übrigens bei uns sehr erfolgreich.
    • Fleischstückchen mit Malzpaste oder Vitaminpaste oder -was immer die Katze gerne mag-, einschmieren.
  • Mit diesen Tricks schafften wir es, unsere beiden innerhalb von 3 Wochen komplett zu begeisterten Rohfleischfressern zu machen. Nun mag man meinen: Wenn man so ein Theater machen muss, damit Katzen das mögen, dann kann es doch nicht gut sein? So leichte Zweifel kamen uns während dieser drei Wochen Nervenkampf auch. Aber dann, nach wenigen Wochen, verweigerten sie offensichtlich angeekelt jegliches Dosenfutter! Mit mindestens der gleichen Abscheu, wie vorher das rohe Fleisch! Ihr Geschmacksempfinden hatte sich umgestellt. Komplett. Katzen mögen das, woran sie gewöhnt sind. Woran wir sie gewöhnen, liegt in unserer Hand.

    Falls sie noch Fragen haben oder sich über ihre Erfahrungen mit Barfen austauschen wollen dann besuchen sie doch bitte unser Barfer Forum:

     

    www.dubarfst.de

     

    Viel Spass beim barfen

    Kirsten und Arne Cordes